Abriss der GHS – Zwischen Lost Place und Sicherheitsmaßnahmen
Für viele von uns ist die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Realschule noch immer ein Ort voller Erinnerungen – an Klassenfahrten, Pausenhofgeschichten und unvergessliche Stunden im Unterricht. Doch die Realität vor Ort sieht mittlerweile ganz anders aus: Der geplante Abriss lässt weiterhin auf sich warten, und das Gelände hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten „Lost Place“ entwickelt.
Vom Schulhaus zur Abenteurer-Kulisse
Immer mehr sogenannte Urban Explorer oder Lost-Place-Abenteurer suchen in den leerstehenden Räumen den besonderen Nervenkitzel. Türen und Fenster stehen vielerorts offen, und der Zugang ist längst kein Hindernis mehr. Auch mehrere Obdachlose haben die verlassenen Klassenzimmer und Flure inzwischen als Schlafplatz entdeckt.
Leider blieb es nicht nur bei harmlosen Erkundungstouren: In der Turnhalle wurde ein Feuer gelegt – glücklicherweise ohne größeren Schaden, doch der Vorfall zeigt, wie sehr sich die Situation verändert hat.
Bei einem meiner letzten Besuche habe ich da, bevor die Kameras installiert wurden, jemanden mit einer Schubkarre angetroffen, der sich die roten Pflastersteine weggeholt hat; die Schule ist also auch ein Baustofflieferant.
Foto: Norbert Bogatzki
Stadt reagiert mit Sicherheitsmaßnahmen
Um solchen Vorfällen vorzubeugen, hat die Stadt Dorsten nun reagiert:
Das Gelände ist mittlerweile umzäunt und mit einer Videoüberwachung ausgestattet. Über eine beauftragte Sicherheitsfirma – erkennbar an den „Geschützt durch BauWatch“-Schildern – wurden Kameras installiert, die das Gelände rund um die Uhr überwachen sollen. Auch entsprechende Hinweisschilder gemäß DSGVO informieren nun über die Videoüberwachung.
Hinweisschilder und BauWatch-Banner schützen mittlerweile das Gelände.
Ein Blick zurück
Die Gerhart-Hauptmann-Schule galt bei ihrer Eröffnung einst als eine der modernsten Realschulen im Ruhrgebiet. Besonders die Turnhalle war ein echtes Aushängeschild, in dem zahlreiche sportliche Erfolge gefeiert wurden. Heute ist von diesem Glanz kaum noch etwas zu spüren: zerbrochene Fenster, verlassene Klassenzimmer, überwucherte Wege und leere Treppenhäuser prägen das Bild.
Verwaiste Flure und Treppen erinnern nur noch entfernt an den Schulalltag.
Das ehemalige Hausmeisterhaus
Im folgenden kurzen Smartphone-Video ist das alte – damals hypermoderne – Hausmeisterhaus mit Fernheizung zu sehen, in dem einst „Joe“ Wagner mit seiner Frau lebte. Gut zu erkennen ist, dass es bis heute bewohnt ist: Im Garten hängt Wäsche auf der Leine, und aus dem Schornstein wächst ein kleiner Birkenbaum – den hätte man längst entfernen können.
Fundstücke aus vergangenen Tagen
Zwischen Staub, Schutt und verwitterten Schulmöbeln tauchen immer wieder Erinnerungsstücke aus vergangenen Zeiten auf – wie etwa ein alter Raumplan aus dem Jahr 2013, der zeigt, welche Lehrer damals in welchen Räumen unterrichteten.
Das gezeigte Fundstück stammt nicht von mir, sondern wurde mir freundlicherweise von einer jungen Dame aus der „Lost-Place-Association“ überlassen. Sie hat es bei einer ihrer Begehungen entdeckt und mir zur Verfügung gestellt. Im Weiteren möchte sie sich umhören, ob auch andere Personen noch Fotos oder Funde aus ihren Erkundungen teilen können.
Raumplan der GHS – gefunden bei einer Lost-Place-Begehung und zur Verfügung gestellt.
Fazit
Auch wenn der endgültige Abriss noch auf sich warten lässt, verändert sich das Bild unserer alten Schule stetig. Vielleicht ist gerade jetzt die letzte Gelegenheit, noch einmal einen Blick auf diesen besonderen Ort zu werfen – bevor er bald endgültig Geschichte ist. Oder in Schubladen und Schränken nachzuschauen, ob es noch Fotos gibt.